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Die Seite für Astrologie-Schüler

 

 

Planeten über Planeten

 

Außer Sonne und Mond wurden bis ins neunzehnte Jahrhundert die mit bloßem Auge sichtbaren Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn von der Astrologie zur Horoskopdeutung herangezogen, mit Aufkommen der Teleskope kamen Uranus, Neptun und Pluto hinzu.

"Uranus wurde zur Zeit der französischen Revolution entdeckt, vertritt also die Prinzipien Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit und ist mit Umbrüchen und Revolutionen verbunden" ist eine sehr beliebte These, die sich von Lehrbuch zu Lehrbuch zieht. Ein chinesischer Astrologe wäre hier wohl sofort dagegen, denn um die gleiche Zeit herrschte in China der vierte Kaiser der Quing-Dynastie namens Quianlong, der durch zahlreiche Feldzüge in Richtung Zentralasien, Tibet, die äußere Mongolei und Sibirien China zu seiner größten Ausdehnung in der Geschichte führte (ca. 11,5 Mio. km²). Dass Uranus für einen Orientalen eher das Prinzip der räumlichen Ausdehnung und von Eroberungskriegen verdeutlichen müsste, interessiert westliche Astrologen aber nicht. Sie verfallen gerne in eine gewisse Selbstherrlichkeit und halten es schlicht für unnötig, das Geschehen in Ländern außerhalb Europas in ihre astrologischen Betrachtungen miteinzubeziehen.

Neptun wurde 1846 entdeckt, einem "Zeitalter der Romantik und Sehnsucht nach idealeren gesellschaftlichen Zuständen, die ihren Ausdruck in Bewegungen zum Wohl der armen, jungen, kranken und bedürftigen Menschen fand. Zudem wurde 1848 ganz Europa von Revolutionen erschüttert", wie der Amerikaner Howard Sasportas in seinem Buch "Astrologische Häuser und Aszendenten" behauptet. Seine Vermutung, dass Neptun auch mit Revolutionen in Verbindung zu bringen ist, hat aber noch keinen großen Anklang in Astrologenkreisen gefunden, die das lieber dem Uranus überlassen wollen.

Der 1930 entdeckte Pluto soll Macht, Radioaktivität und die Atombombe symbolisieren, weil diese Prinzipien um diese Zeit in die Welt getreten sind. Allerdings kann wohl niemand ernsthaft behaupten, dass machtbesessene Politiker eine Erfindung des zwanzigsten Jahrhunderts sind, wie Nero, Cäsar und Alexander der Große deutlich demonstriert haben. Pluto soll auch noch mit dem Aufkommen von Faschismus und totalitären Staatsformen zusammenhängen, sowie mit dem Aufkommen der Psychologie.

 

Um jedem Tierkreiszeichen einen Planeten zuordnen zu können, fehlen den Astrologen offiziell noch zwei Gestirne. Stier und Waage teilen sich die Venus, Zwilling und Jungfrau den Merkur und es wird gerne von einer Venus des Morgens und einer Venus des Abends und ihren verschiedenen Bedeutungen gesprochen, ohne allerdings genauer zu erläutern, woran man im Horoskop erkennt, welche Venus oder welcher Merkur jetzt zuständig ist. Wie will man in nebenstehendem Horoskop vom 7.10.2005, 14:15 Uhr GMT herausbekommen, um welchen Merkur es sich hier handelt? Einen "Merkur des Nachmittags" gibt es nicht. Man könnte natürlich sagen: "Na gut, für Jungfrau und Stier haben wir noch keine Planeten, also müssen wir uns da mit Aussagen zurückhalten", aber solche Sätze wird man von heutigen Astrologen mit ihrem Allwissenheitsanspruch kaum hören.

 

Wenn man die Analogieketten von Uranus, Neptun und Pluto weiterdenkt, dann müsste der nächste gefundene Planet eigentlich die Prinzipien verkörpern, die in den letzten Jahrzehnten verstärkt in die Welt getreten sind. Das wären: Internet, ISDN, DSL, Privatisierung des Telefonmarktes, Privat-TV und -Radio, Satellitenfernsehen, Raumfahrt, neue Technologien aller Art, Globalisierung. Wie der Münchner Astrologe Wolfgang Döbereiner das so schön in eine Formel gefasst hat: "eine Ausbreitung in den zur Verfügung stehenden Raum" und diese Formel dem Zwilling zuordnet. Der nächste neu entdeckte Planet sollte also für das Prinzip "Kommunikation" stehen und zum Zwilling gehören. Merkur wäre dann der Jungfrau vorbehalten.

Für den übernächsten Planeten sollte man folgende Erscheinungen reservieren: Terrorismus, Selbstmordattentate, oft unter dem Mantel der islamischen Religion versteckt, aber wie allen kriegerischen Erscheinungen liegen dem wahrscheinlich profane materielle Interessen zugrunde: Landgewinn, Erdölvorräte, Sicherheitsbedenken. Wobei man bei dem Stichwort Sicherheit natürlich sofort an das Zeichen Stier denkt und den übernächsten Planeten wohl am besten da einordnet und die Venus der Waage überlässt. Astrologisch gesehen ist einer dieser nächsten neuen "Planeten" Chiron, aber dazu später mehr.

Das Problem der zwei fehlenden Planeten hat sich dank der eifrigen Forschungsarbeit amerikanischer Astronomen inzwischen aber in ein Problem des "Planetenüberschusses" verwandelt.

"Quaoar" heißt der Kleinplanet – benannt nach der Gottheit eines kalifornischen Indianerstammes, der Ende 2002 von Astronomen des California Institute oft Technology jenseits der Bahn des Neptun entdeckt wurde. Er hat einen geschätzten Durchmesser von 1300 Kilometern - etwa halb soviel wie Pluto - und liegt wie dieser im sogenannten Kuiper-Gürtel außerhalb der Neptunbahn, in dem Astronomen noch viel mehr Kleinplaneten vermuten. Erste Deutungsversuche gehen in die Richtung, dass Quaoar zuständig sein soll für Manifestation von lang Ersehntem, für die Verwirklichung von Plänen.

Ein weiterer Kleinplanet namens KX76 wurde im Jahr 2001 entdeckt. Er liegt ebenfalls außerhalb der Neptunbahn und bringt es auf einen Durchmesser von 1270 Kilometern. Ebenfalls 2001 wurde "Varuna" im Kuiper-Gürtel gefunden, der allerdings nur 900 Kilometer Durchmesser hat. Im März 2004 wurde "Sedna" mit einem Durchmesser von 1750 km entdeckt.

 

Am 5. Januar 2005 um 11:20 AM PST war es dann soweit:
Die Astronomen Mike Brown, Chad Trujillo und David Rabinowitz fanden den lange vermuteten Planeten 2003UB313, der mit seinen geschätzten 2600 bis 3100 Kilometern Durchmesser deutlich größer als Pluto ist. Am zehnten September 2005 meldeten die Astronomen des Keck-Observatoriums auf Hawaii außerdem, dass 2003UB313 über einen Mond verfügt. Damit erfüllt dieser eigentlich alle Ansprüche, die man an einen Planeten unseres Sonnensystems stellt. Für die Astrologie gibt es vorerst noch zwei Hindernisse: Erstens ist der Name 2003UB313 etwas unhandlich bis unromantisch, zweitens gibt es noch keine Astrologiesoftware, die für diesen Planeten Ephemeriden zur Verfügung stellen würde.

 

Statt diesen Himmelskörpern, die durchaus mit Pluto in einer Riege stehen könnten, ist seltsamerweise ein Asteroid namens Chiron in Mode gekommen, der die Achillesferse eines Menschen – seine Stärken und Schwächen - symbolisieren soll und von manchen Astrologen der Jungfrau zugeordnet wird. Er hat einen Durchmesser von 170 Kilometern, die Größe eines Himmelskörpers scheint also kein Kriterium für manche Astrologen zu sein - abgesehen von Jupiter natürlich, der wegen seiner Größe schon mal mit dem Begriff "Expansion" in Zusammenhang gebracht wird.

Chiron ist aber nicht der einzige Asteroid zwischen den Bahnen von Jupiter und Neptun, bis Ende 2005 waren 29 dieser Objekte entdeckt, zusammengefasst unter dem Namen "Kentauren". Andere Asteroiden heißen zum Beispiel Pholus, Nessus, 1994 TA, Asbolus, Hylonome und Chariklo. Nessus ist übrigens der erste Himmelskörper dessen Namen von Astrologen vorgeschlagen und von Astronomen akzeptiert wurde. Die Astrologen waren Robert von Heeren, Dieter Koch und Zane Stein. Vorher hieß Nessus 1993HA2. Das Recht, einem Himmelskörper einen Namen zu verleihen, liegt beim Entdecker und dieser hat zehn Jahre Zeit, sich für einen Namen zu entscheiden.

Allen Astrologen, die mit Chiron arbeiten, dürfte es schwer fallen zu erklären, warum Pholus, Nessus usw. nicht auch entsprechend wichtig sind. Ephemeriden für diese Asteroiden gibt es unter www.kentauren.info.

Es bleibt die Frage offen, wenn man schon Asteroiden wie Chiron für die Horoskopdeutung bemühen muss, warum bedient man sich dann nicht lieber des Asteroidengürtels zwischen Mars und Jupiter? Dort kreist zum Beispiel Ceres mit einem Durchmesser von 933 Kilometern, also deutlich größer als Chiron, entdeckt am ersten Januar 1801 von Giuseppe Piazzi. Weitere Asteroiden heißen Pallas, Vesta, Juno, Amun, Icarus, Eros, Apollo, Eunomia und Davida. Inzwischen sind mehrere zehntausend Asteroiden in dieser Himmelsregion klassifiziert und benannt und jährlich kommen neue hinzu. Wer es genau wissen will, kann im Internet unter dem Stichwort "Minor Planet Catalogue" suchen.

Warum also ausgerechnet der 1977 gefundene Chiron von so überragender Bedeutung sein soll, entzieht sich jeder logischen Begründung.

Als Charakteristiken für einige Asteroiden werden vermutet:

  • Ceres: persönliche Mutterliebe, Wärme, Geborgenheit, überzogene Mutterbindung

  • Pallas: Kampfbereitschaft unter dem Prinzip der Gerechtigkeit, überlegene Weiblichkeit und Weisheit

  • Juno: die Geliebte oder Ehefrau, das fordernde Liebesgefühl

  • Vesta: Transformation, Veränderung, das gastliche Haus

Inzwischen hat sich eine Art "Asteroidenfraktion" unter den Astrologen herausgebildet, deren Hauptvertreter Demetra George, Robert von Heeren und Frank Felber sind.

Der kleinste von Astrologen zur Deutung herangezogene Asteroid ist Asclepius mit einem Durchmesser von etwa 0,5 Kilometern. Er soll für das sogenannte "Helfersyndrom" zuständig sein. Noch kleiner sollten die zur Deutung verwendeten Asteroiden aber nicht mehr werden, sonst muss man allmählich überlegen, ob Flugzeuge nicht auch so etwas wie Himmelskörper sind und sich die Ephemeriden dafür bei der Lufthansa besorgen.

Abgesehen von einer Flut von Veröffentlichungen über den gerade modernen Chiron, gibt es nur wenig deutschsprachige Lektüre über die Asteroiden. Herausragendes Werk ist das Buch "121 Himmelskörper" des österreichischen Astrologen Frank Felber. Er bespricht darin die Bedeutungen von 32 Asteroiden und im Buch sind auch Ephemeriden dafür enthalten. Nun ist es sicherlich eine größere Aufgabe, den Symbolismus von 32 Himmelskörpern zu entschlüsseln. Felber löste dieses Problem, wie er schreibt, durch konzentrierte Meditation auf die Himmelskörper, durch die ihm "Wissen intuitiv zugänglich wurde, welches bisher noch nicht in das Bewußtsein der Menschen verdichtet wurde". Auch die griechische Mythologie nahm er zu Hilfe und er schlüsselte die Namen der Himmelskörper zudem noch nach numerologischen Gesichtspunkten auf. Er verwandte auch noch eine weitere Technik, "auf die ich allerdings nicht näher eingehen möchte", wie er schreibt. Man kann die Möglichkeit nicht ausschließen, dass es sich bei dieser ungenannten Technik um bewusstseinserweiternde Drogen handelt, da Felber nicht nur die Bedeutung von 32 Asteroiden offenbart wurde, sondern darüberhinaus auch die von 78 Fixsternen.

Ob das alles zu einer besseren Horoskopdeutung beiträgt oder mehr dem Verkauf von Büchern oder der allgemeinen Verwirrung dient, sei dahingestellt.

Die Frage, ob die Größe eines Planeten oder Planetoiden für die Deutung wichtig ist, wird im Allgemeinen mit nein beantwortet. Andereits steht zu bedenken, dass zum Beispiel Jupiter wegen seiner Größe von Alters her Begriffe wie Expansion, Wachstum und Fülle zugeordnet werden.


Asteroiden im Größenvergleich.

Die Zahlen hinter dem Namen geben den ungefähren Durchmesser in Kilometern an, der Stand im Tierkreis entspricht nicht der tatsächlichen Position. Blaugefärbt sind die Asteroiden im Gürtel zwischen Mars und Jupiter, rot die Planetoiden der Kentauren-Gruppe zwischen Jupiter und Neptun, gelb die Planeten und Planetoiden jenseits der Neptunbahn. Namen wie 2002 UX 314 bedeuten, dass die Internationale Astronomische Union noch keinen Namen für das Objekt vergeben hat.


 

Cupido, Hades, Zeus, Kronos, Apollon, Admetos, Vulkanus und Poseidon dagegen sind Planeten jenseits von Neptun, die bisher noch kein Astronom gesehen hat. Sie wurden vom Gründer der Hamburger Schule Alfred Witte und dessen Schüler Friedrich Sieggrün erfunden, weil sie in menschlichen Schicksalen auf Ereignisse stießen, die mit den real existierenden Planeten nicht erklärbar waren. Die Anhänger dieser astrologischen Richtung machen sich auch wenig Sorgen ob diese Planeten jemals entdeckt werden. Sie bezeichnen sie als "nicht sichtbare Energiezentren" und geben munter Ephemeriden dafür heraus. Der erst später entdeckte reale Planet Pluto kam in den Visionen der Hamburger Schule allerdings nicht vor. Ende August 2006 kam übrigens das große Aus für Pluto. Der Status als Planet wurde ihm von der Astronomischen Vereinigung aberkannt, er gilt seitdem nur noch als Kleinplanet. Etwaige Auswirkungen dieser Maßnahme auf die Astrologie sind bisher nicht bekannt geworden.

Die Lage an der Planetenfront wird also allmählich unübersichtlich. Gänzlich verlieren kann man sich, wenn man auch noch Fixsterne in die Horoskopdeutung miteinbezieht. Mehrere Millionen bis Milliarden von Himmelskörper haben in einer Horoskopzeichnung einfach keinen Platz mehr.

 


Ein Horoskop mit 78 Fixsternen. Die Positionen gelten für das Jahr 2000 und verschieben sich etwa ein Grad in Tierkreisrichtung pro 78 Jahren. Wer hier noch seine individuellen Felder und Planeten einzeichnet, wird mit der Deutung von Aspekten so schnell nicht fertig…


 

Wer mit real existierenden Himmelskörpern nicht zufrieden ist, kann auch noch errechnete Punkte am Himmel benützen, den Mondknoten zum Beispiel, auf- oder absteigend. Übrigens hat nicht nur der Mond seine zwei Knoten, jeder Planet hat sie.

Es gibt noch weitere fiktive Punkte am Himmel, zum Beispiel den, an dem der Mond in seiner Umlaufbahn am weitesten von der Erde entfernt steht, geheimnisvoll "Lilith" genannt – nach der mythologischen ersten Frau Adams - und hauptsächlich von Astrologinnen in Beschlag genommen, denen der Mond als weibliches Prinzip scheinbar nicht mehr genügt. Dieser Lilith wird aber inzwischen ein Teil der ihr zugeschriebenen Fähigkeiten wieder aberkannt, nachdem jemand auf den Einfall gekommen ist, dass es auch einen erdnächsten Punkt in der Mondumlaufbahn gibt, und diesen "Priapus" getauft hat.

Hier ist das Feld noch lange nicht abgegrast, nicht nur der Mond, sondern auch jeder Planet hat seine erdnächsten und erdfernsten Punkte, wissenschaftlich "Apogäum" und "Perigäum" genannt.

Eine Konstruktion wie "Lilith im Quadrat zu Pholus im Spiegelpunkt von Priapus/Ceres" ist durchaus ein gefundenes Fressen für alle Astrologen, die ihr Geld damit verdienen, dicke Deutungsbücher zu schreiben.

Man sollte aufhören, für jedes Wehwehchen einen Asteroiden zu bemühen. Bereits mit den herkömmlichen zehn Gestirnen und ihren Beziehungen untereinander erreicht man eine Deutungsfülle, die kaum zu durchschauen ist. Konzentration auf die fehlenden zwei inzwischen aktuell gewordenen Prinzipien wäre angebracht: auf die weltweite Kommunikation und auf den Terrorismus. Beides wird die Menschheit noch lange in Atem halten. Welche von den vielen neu entdeckten Himmelskörpern sollen also am besten dafür herhalten? Das ist noch ein weites Forschungsfeld. 

 
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