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Die Seite für Astrologie-Schüler

 

 

Astrologische Schulen

 

Die "Astrologie" an sich gibt es nicht. Es gibt Anhänger von verschiedenen "Glaubensrichtungen", die mit den unterschiedlichsten Methoden versuchen, ein Horoskop zu deuten und zu stimmigen Ergebnissen zu gelangen. Genaue Ausführungen zu den einzelnen Schulen findet man im Buch "Wege der Astrologie" von Christoph Schubert-Weller, hier nur ein kurzer Überblick über die gängigsten Lehren im deutschsprachigen Raum und deren Methoden.

Klassische Astrologie
Die Klassik, in ihrer neuen Form als "Revidierte Klassik" bezeichnet, beschränkt sich auf eine astronomisch mehr oder weniger vertretbare Horoskopinterpretation, die sich von einer Ereignisastrologie immer mehr zu einer psychologisch orientierten Astrologie wandelt. Als Häusersystem hat sich Placidus durchgesetzt, zur Prognose dienen Transite und Solarhoroskope. Es werden aber auch die astronomisch völlig unbegründbaren Primär- und Sekundärdirektionen verwendet. Bei der Deutung nehmen Planetenaspekte eine herrausragende Rolle ein.

Determinationslehre nach Morin
Der Franzose Jean Baptiste Morin de Villefranche (1583-1656) hat die Klassische Astrologie um die Zeichenherrschaft von Planeten erweitert und arbeitet mit einem System von Würden, Schwächen, Erhöhungen und Domizilen. Der Begriff des Geburtsherrschers, also des zum Zeichen des Aszendenten gehörigen Planeten, stammt ebenfalls von Morin.

Theosophische Astrologie
Hier wird mit einem System von "Regenten" gearbeitet. Das Jahr 1970 untersteht zum Beispiel dem Saturn, der Dienstag dem Mars und es gibt auch noch Stundenregenten.

Astrologie nach Frank Glahn
Glahn gilt als Erfinder des "Lebenskreises", ein fiktiver Punkt, der am AC beginnend das Horoskop im Uhrzeigersinn durchwandert. Jeder Quadrant soll 25 Lebensjahren entsprechen, jedes nach Placidus berechnete Haus also 8,3 Jahre umfassen. Trifft der wandernde Punkt unterwegs Planeten an, oder nimmt Aspekte zu ihnen ein, so wird deren Bedeutung im Leben des Horoskopeigners ausgelöst.

Astrologie nach Udo Walendy
In seinem fünfbändigen Werk hat Walendy seine Überlegungen zu einer streng physikalischen Astrologie veröffentlicht. Die Planeten wirken nicht etwa nach esoterischen Prinzipien wie "Wie oben, so unten", sondern sind sogenannte "astrale Richtungsstrahler". Er beschränkt sich auf die Deutung von Ereignissen und lässt dazu nur Transite gelten, was das Problem bringt, dass es zu manchen Ereignissen eben keine Transite gibt. Walendy löst das Problem mit der Erfindung von sechs neuen hypothetischen Planeten: Pirus, Expire, Utos, Artex, Rino und Solur.

Kosmobiosophische Astrologie
Die Kosmobiosophische Gesellschaft arbeitet mit dem GOH-Häusersystem nach Koch und berücksichtigt neben den normalen Aspekten auch die Entfernungen der Planeten von der Erde. In Erdnähe soll ein Planet körperlicher und spürbarer wirken als auf einem entfernten Punkt in seiner elliptischen Bahn. Die Erdferne soll das Wirkprinzip eines Planeten mehr auf geistiger Ebene umsetzen.

Astrologie nach Bernd A. Mertz
Mertz (geb. 1924) arbeitet zwar größtenteils nach den Regeln der Klassischen Astrologie, ist aber mit den zwölf Tierkreiszeichen nicht zufrieden und unterteilt jedes Zeichen nochmal in 12 gleichgroße Sektoren. So kann es also sein, dass die Sonne zum Beispiel im Wassermannsektor der Jungfrau im vierten Haus steht. Die Häuser werden nach der äqualen Methode berechnet.

Astrologie nach Johannes Vehlow
Vehlow (1890-1958) hat ein eigenes Häusersystem erfunden. Es beruht auf dem äqualen System, jedes Haus ist also 30 Grad groß, jedoch liegt der Ascendent nicht an der Spitze von Haus eins, sondern in der Mitte von Haus eins, also bei 15 Grad. Parallel dazu verwendet er das System der Sonnenhäuser, ebenfalls 30 Grad große Felder, deren erstes so gelegt wird, dass die Sonne in der Mitte zu stehen kommt.

Astrologie nach Holger Stenson-Raché
Stenson-Raché (1902-1985) arbeitete nach den Regeln der Klassischen Astrologie, forderte jedoch, dass nicht die Tierkreiszeichen, sondern die Planeten das Charakterbild eines Menschen bestimmen. Da ihm zur vollkommenen Deutung der 12 Prinzipien zwei Planeten fehlten, erfand er sie kurzerhand: Vulkan und Cupido.

Konzeptionshoroskopie nach Hans Oster
Der Frankfurter Astrologe fordert, dass in den schon von Alters her hochspekulativen Empfängnishoroskopen AC und Mond die selbe Position einnehmen müssen wie im Geburtshoroskop 280 Tage später. An die Möglichkeit einer Frühgeburt denkt Oster nicht. Mit dem Empfängnishoroskop will Oster Lebenslinien erklären, die er aus dem Geburtshoroskop alleine nicht ablesen kann.

Lichterachsenbogen nach Christian Scharmann
Der Lichterachsenbogen ist weniger eine astrologische Schule als vielmehr ein neues Deutungssystem. Die Geschwindigkeit der Sonne (etwa 0° 59’ pro Tag) und des Mondes (13°10’) werden addiert und durch zwei geteilt. Das Ergebnis 7°05’ ist die Geschwindigkeit mit der AC und MC pro Jahr im Horoskop verschoben werden und dadurch Aspekte bilden, die sich deuten lassen. Das System wurde 1988 in der Fachzeitschrift "Meridian" vorgestellt, aber nie näher erforscht.

Transzendente Astrologie nach Martin Sorge
Der 1914 geborene Schweizer geht von der These aus, dass ein Tag oft so wird, wie er am Morgen begonnen hat und gibt sich mit dem Geburtshoroskop alleine nicht zufrieden. Statt dessen erstellt er ein zweites auf den Sonnenaufgang des Tages der Geburt und bringt beide miteinander in Beziehung. Im Morgenhoroskop sollen die Ideen und Tendenzen ausgedrückt sein, mit denen sich das Individuum im Lauf seines Lebens zu beschäftigen hat, das Geburtshoroskop soll anzeigen, was die Person daraus macht. Die Deutung der beiden Horoskope erfolgt im Sinn der Klassischen Astrologie, wenn auch mit dem äqualen Häusersystem.

Astrologie nach Kündig
Der Schweizer Heinrich Kündig (1909-1989), eigentlich ein Vertreter der Klassischen Astrologie, kam zu der Überzeugung, dass Geburten nicht zu beliebigen Zeiten stattfinden können, sondern nur dann, wenn der MC in einem bestimmten Verhältnis zu den Planeten steht. Aus der Tatsache, dass Saturn zehnmal weiter von der Sonne entfernt ist als die Erde, leitet Kündig ein System von sogenannten "Schnittpartnern" ab, auf denen der MC zu liegen kommen muss. Vereinfacht gesagt, wird im Horoskop der Abstand zwischen Sonne und Saturn in zehn gleiche Teile zerlegt, und auf einem dieser Teile muss sich die Achse MC-IC befinden. Kündig hat auch ein neues Berechnungssystem für Direktionen erfunden, in dem er statt der astronomischen Sternzeit eine individuell errechnete Sternzeit benützt.

Hamburger Schule
Die von Alfred Witte (1878-1941) gegründete Schule arbeitet mit acht zusätzlichen fiktiven Planeten jenseits der Bahn des Neptun. Sie benützt auch ein eigenes Häusersystem, in dem AC und MC nicht unbedingt mit den Spitzen des ersten oder zehnten Hauses zusammenfallen. Die traditionelle Aspektlehre wird völlig verworfen, man arbeitet stattdessen mit Halbsummen. Prognosen erfolgen mit Hilfe der traditionellen Sonnenbogendirektionen und Sekundärprogressionen. Um die Übersichtlichkeit eines Horoskopes zu steigern, wird der 90°-Kreis verwendet.

Kosmobiologie nach Ebertin (Aalener Schule)
Die Schule nach Ebertin verzichtet auf ein Häusersystem und benützt vorwiegend Halbsummen. Ebertin arbeitet viel mit Planetengleichungen und Direktionen, seine Lehrbücher verbreiten oft einen Hauch von Mathematikunterricht. Aber er war unbestreitbar ein Pionier der deutschen Astrologie, wenn er auch diesen Begriff nicht mochte und sein Werk als "Kosmobiologie" bezeichnete.

Münchner Rhythmenlehre nach Döbereiner
Döbereiner ist wohl so etwas wie die graue Eminenz unter den deutschen Astrologen. Sein in den 50er Jahren entwickeltes systematisches Deutungssystem, das ein Horoskop in die Punkte Anlage, Verwirklichung und Ergebnis aufschlüsselt, ist das in der neuen Astrologie am meisten "kopierte" System. Von Vorteil ist, dass man theoretisch schnell und leicht erkennen kann, wann ein durch herkömmliche Aspekte ausgedrücktes Anlagebild in die Realität umgesetzt wird, man also sofort sagen kann, wann und auf welcher Ebene das gedeutete Quadrat von Pluto zu Mars fällig wird. Döbereiner lässt dazu den Aszendenten im Siebener-Rhythmus um das Horoskop wandern. Bis hierher ist sein System noch gut verständlich, aber leider bleibt es nicht dabei, der Aszendent kann auch im Vierer-Rhythmus wandern, im Dreizehner-Rhythmus, überhaupt in jedem Rhythmus und zwar in beiden Richtungen des Tierkreises.
Döbereiner hält wohl unbestreitbar den Titel: "Deutschlands am meisten abgeschriebener Astrologe". Es ist schier unglaublich, wieviel andere Autoren bei ihm klauen und Döbereiners Erkenntnisse als "althergebrachtes astrologisches Wissen" unter ihrem eigenen Namen verkaufen. In seinen Seminaren beschwert er sich gern, dass er trotz seiner achtzig Jahre noch zu jung ist, um unter "Klassische Astrologie" eingeordnet zu werden.

Astropsychotherapie nach Hermann Meyer
Meyer – Jahrgang 1947 - bringt, was die Horoskopdeutung betrifft, die Gedankengänge Wolfgang Döbereiners in eine allgemeinverständliche Form und verbindet die in der Klassischen Astrologie üblichen Methoden mit der Psychotherapie mit einer Betonung auf dem Gebiet der Psychosomatik und erstellt seitenlange, nicht fundamentierte Listen, welche Krankheiten welchen Planeten entsprechen sollen. Aids etwa ist Mars/Neptun.

Astroenergetik nach Hans-Hinrich Taeger
Taeger (geb. 1944) arbeitet mit dem äqualen Häusersystem, vermischt allerdings das geozentrische Weltbild mit dem heliozentrischen, indem er auch den Stand der Erde von der Sonne aus gesehen in das Horoskop einzeichnet und diese dem Stier zuordnet. Taegers Deutungssystem ist stark von der Idee der Reinkarnation durchdrungen und von Döbereiner hat er die Idee des Siebener-Rhythmus übernommen, ergänzt diesen jedoch um einen Sechser-Rhythmus, der entgegengesetzt um das Horoskop herum läuft. Mit der sogenannten "Mandala-Elementen-Analyse" erfand Taeger eine Art Punktebewertungssystem in Bezug auf die Planeten und ihre Stellungen in Zeichen und Häusern. Wenn zum Beispiel die Sonne im 12. Haus im Stier steht, so bekommt das Element Erde (Stier) 60 Punkte, aber auch das Element Wasser 60 Punkte (12. Haus). Bei Venus im Stier im 12. Haus bekommen die Elemente Erde und Wasser dagegen nur 30 Punkte, bei Chiron sind es nur noch 10.

Astroskriptanalyse nach Roland Jakubowitz
Ein Skript ist die zeitliche Auslösung einer Kette von Transiten, die im Horoskop weniger als 5 Grad auseinander stehen, behauptet der Schweizer Jakubowitz. Der erste Transit soll die Motivation des Geschehens darstellen, der letzte das Ergebnis, die dazwischenliegenden den Weg.

Transpersonale Astrologie nach Roscher
Roscher kombiniert die Klassische Astrologie mit den Häuserherrschern von Morin und den Theorien von Karma und Wiedergeburt. Den üblichen Aspekten gibt Roscher nur eine untergeordnete Bedeutung. Als neues Element bringt er die Kritischen Punkte ein, so soll etwa ein Planet auf 0° Waage die Qualität sowohl von Waage als auch von Jungfrau haben und somit unter die Symbolik Merkur/Venus fallen. Der 15-Grad-Punkt soll auch die Qualität des Gegenzeichens haben, ein Planet auf 15° Jungfrau erhält danach die Symbolik von Merkur/Neptun.

Die Huber-Schule
Die Schule des Schweizer Ehepaares Louise und Bruno Huber, auch "Astrologisch-Psychologisches Institut" genannt, verwendet GOH-Häuser und arbeitet mit sogenannten "Häusergraden". Ein Häusergrad beträgt ein dreißigstel der Hausgröße. Auf dem 19. Häusergrad befindet sich der Talpunkt eines Hauses. Der erste Teil des Hauses bis zum Talpunkt soll Bewußtes ausdrücken, der zweite Teil Unbewußtes. Planetenstände in den Häusern werden mit einem umfangreichen akribischen Punktebewertungssystem gedeutet. Zur zeitlichen Auswertung des Horoskopes lässt man einen fiktiven Punkt beginnend am AC in Tierkreisrichtung wandern. Ein Haus entspricht dabei einer Lebenszeit von sechs Jahren.

Reformierte Astrologie nach Gottfried Angeli
Angeli arbeitet mit dem topozentrischen Häusersystem und legt Wert auf genaueste Berechnungen. Er deutet nicht die Stellung von Planeten in den Häusern, sondern deren Aspekte zu Häuserspitzen. Je mehr klassische Aspekte auf eine Häuserspitze gebildet werden, desto wichtiger wird sie im Horoskop. Angeli arbeitet auch mit Planetenknoten, er sieht keinen Sinn darin, den Planeten vorzuenthalten, was dem Mond erlaubt ist.

Dualistische Astrologie nach Wilma Sommer
Die in der Schweiz lebende deutsche Astrologin beschäftigt sich mit einer auch für die südliche Erdhalbkugel stimmigen Astrologie.

 

Wie man sieht, gibt es eine Unmenge verschiedenster Deutungsmethoden. Dabei sind hier nur Schulen aus dem deutschsprachigen Raum gelistet, es gibt ja auch noch die amerikanischen Astrologen, die indische und chinesische Astrologie und bestimmt auch mehrere Astrologierichtungen aus Finnland oder der Ukraine, von der wir bei uns gar nichts erfahren. Zusammengefasst könnte man sagen: Jeder sucht etwas, aber den Stein der Weisen scheint bisher niemand gefunden zu haben.

 

 
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